Grundlagen und Harmonik · 12 Min. Lesezeit ·
Der Quintenzirkel für Gitarristen: so liest und nutzt du ihn
Der Quintenzirkel beantwortet drei Fragen, die sich jeder Gitarrist stellt: Welche Akkorde gehören in diese Tonart, wie transponiere ich diesen Song, und warum klingt dieser Akkord hier so gut? So liest du ihn und nutzt ihn auf dem Griffbrett.
Vom GuitarHarmony-Team
Der Quintenzirkel ist ein Schaubild der 12 Durtonarten, so angeordnet, dass jede Tonart eine reine Quinte über der vorherigen liegt. Im Uhrzeigersinn, von C oben aus: C, G, D, A, E, H, Fis, dann über die B-Tonarten zurück zu C. Jeder Schritt im Uhrzeigersinn fügt der Tonart ein Kreuz hinzu, jeder Schritt gegen den Uhrzeigersinn ein b. Der innere Ring zeigt die parallele Molltonart jeder Durtonart.
Für Gitarristen ist er weniger eine Theorietafel als eine Landkarte: Er zeigt, welche Akkorde zusammengehören, wie du einen Song in eine andere Tonart bringst und wo die stärksten Akkordwechsel liegen. Hier lernst du, ihn zu lesen und mit den Akkorden zu nutzen, die du schon spielst.
Hinweis zur Schreibweise: Akkordsymbole schreiben wir international. Der Akkord B entspricht dem deutschen H, Bb dem deutschen B.
Kurz gesagt: Ein Schritt im Uhrzeigersinn geht eine Quinte hoch und fügt ein Kreuz hinzu, ein Schritt gegen den Uhrzeigersinn geht eine Quarte hoch und fügt ein b hinzu. Die sechs Hauptakkorde jeder Tonart liegen in einem Fenster aus drei Nachbarn: IV, I und V außen, ii, vi und iii innen. Transponieren heißt, alle Akkorde um gleich viele Schritte zu drehen, und eine Zwischendominante ist der Dur- oder Septakkord einen Schritt im Uhrzeigersinn neben dem Akkord, in den er sich auflöst.
Was ist der Quintenzirkel?
Eine reine Quinte umfasst 7 Halbtöne: C-G, G-D, D-A. Stapelst du zwölf davon, kommst du an jedem Ton einmal vorbei, bevor du wieder bei C landest (nach H und Fis geht es als Des, As weiter, dank enharmonischer Verwechslung). Deshalb schließt sich das Schaubild zum Quintenzirkel.
In der Gegenrichtung ist jeder Schritt eine aufwärts gespielte reine Quarte (5 Halbtöne): C-F, F-B, B-Es. Eine Quarte aufwärts und eine Quinte abwärts ergeben denselben Tonnamen, deshalb funktioniert ein einziger Kreis in beide Richtungen.
Der Quintenzirkel auf dem Griffbrett
Du hast den Zirkel schon unter den Fingern. In Standardstimmung liegen die Saiten E, A, D und G jeweils eine Quarte auseinander. An jedem beliebigen Bund gilt also:
- Gleicher Bund, eine Saite Richtung Bass: ein Schritt im Uhrzeigersinn. A-Saite im 3. Bund ist C, tiefe E-Saite im 3. Bund ist G.
- Gleicher Bund, eine Saite Richtung Diskant: ein Schritt gegen den Uhrzeigersinn. A-Saite im 3. Bund ist C, D-Saite im 3. Bund ist F, G-Saite im 3. Bund ist B.
- Von der G- zur H-Saite: einen Bund höher, denn dieses Paar ist im Abstand einer großen Terz gestimmt. Nach B (G-Saite, 3. Bund) liegt der nächste Schritt (Es) auf der H-Saite im 4. Bund.
Spiel die Grundtöne im 3. Bund von der tiefen E- bis zur G-Saite (G, C, F, Bb): Du bist gerade vier Schritte gegen den Uhrzeigersinn gegangen.
Vorzeichen mit dem Quintenzirkel lesen
Die Vorzeichen einer Tonart sind die Kreuze und b, die eine Tonart verwendet. Der Zirkel liefert sie dir, ohne dass du sieben Listen auswendig lernen musst.
| Durtonart | Parallele Molltonart | Vorzeichen | Erhöhte oder erniedrigte Töne |
|---|---|---|---|
| C-Dur | a-Moll (Am) | keine | keine |
| G-Dur | e-Moll (Em) | 1 Kreuz | fis |
| D-Dur | h-Moll (Bm) | 2 Kreuze | fis, cis |
| A-Dur | fis-Moll (F#m) | 3 Kreuze | fis, cis, gis |
| E-Dur | cis-Moll (C#m) | 4 Kreuze | fis, cis, gis, dis |
| H-Dur | gis-Moll (G#m) | 5 Kreuze | fis, cis, gis, dis, ais |
| Fis-Dur / Ges-Dur | dis-Moll / es-Moll | 6 Kreuze / 6 b | fis, cis, gis, dis, ais, eis / b, es, as, des, ges, ces |
| Des-Dur | b-Moll (Bbm) | 5 b | b, es, as, des, ges |
| As-Dur | f-Moll (Fm) | 4 b | b, es, as, des |
| Es-Dur | c-Moll (Cm) | 3 b | b, es, as |
| B-Dur | g-Moll (Gm) | 2 b | b, es |
| F-Dur | d-Moll (Dm) | 1 b | b |
Zwei Regeln genügen, um die Tabelle selbst zu rekonstruieren:
- Auch Kreuze kommen in Quinten dazu: fis, cis, gis, dis, ais, eis, his. Das neue Kreuz ist immer der 7. Ton der neuen Tonart, einen Bund unter dem Grundton. G-Dur bekommt fis, D-Dur bekommt cis.
- Die b kommen in umgekehrter Reihenfolge: b, es, as, des, ges, ces, fes. In b-Tonarten nennt das vorletzte b die Tonart: drei b (b, es, as) heißt Es-Dur. Nur F-Dur lernst du auswendig (ein b).
Für Gitarristen heißt das: Die Tonarten von C bis E auf der Kreuzseite nutzen die Töne unserer Leersaiten. Deshalb stehen die meisten Gitarrensongs genau dort.
Paralleltonarten: der innere Ring
Jede Durtonart teilt ihre Töne und Vorzeichen mit einer Molltonart, ihrer Paralleltonart in Moll. Sie beginnt auf der 6. Stufe der Durtonleiter, drei Bünde (eine kleine Terz) unter dem Dur-Grundton.
Auf der Gitarre findest du sie mit einem Griff: Von einem Dur-Grundton auf der tiefen E- oder A-Saite gehst du drei Bünde tiefer auf derselben Saite. G im 3. Bund der tiefen E-Saite wird zu E (leere tiefe E-Saite): G-Dur und e-Moll. C im 3. Bund der A-Saite wird zu A (leere A-Saite): C-Dur und a-Moll. Gleiche Töne, anderes Zentrum.
Deshalb klingen Am und C wie eine Familie, und deshalb leiht sich ein Song in Em so oft G, C und D.
Die 7 leitereigenen Akkorde jeder Tonart finden
Die leitereigenen Akkorde sind die sieben Akkorde, die aus den Tönen einer Tonart gebildet werden. In Dur folgen sie immer demselben Muster: I, ii, iii, IV, V, vi, vii°. Große römische Zahlen stehen für Dur, kleine für Moll, und vii° ist ein verminderter Akkord.
Sechs davon liefert dir der Zirkel auf einen Blick. Setz deine Tonart nach oben und nimm ein Fenster aus drei Nachbarn:
- Außenring: Die Tonart selbst ist I, ihr linker Nachbar (gegen den Uhrzeigersinn) ist IV, ihr rechter Nachbar (im Uhrzeigersinn) ist V.
- Innenring: Unter IV, I und V liest du ii, vi und iii.
- Der 7. Akkord, vii°: der innere Akkord direkt im Uhrzeigersinn nach iii, vermindert gespielt.
Für C: F, C, G außen; Dm, Am, Em innen; dann wird aus H (von Bm) Bdim. Ergebnis: C, Dm, Em, F, G, Am, Bdim. Schieb das Fenster einen Schritt im Uhrzeigersinn, und du hast die Akkorde von G-Dur.
| Tonart | I | ii | iii | IV | V | vi | vii° |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| C-Dur | C | Dm | Em | F | G | Am | Bdim |
| G-Dur | G | Am | Bm | C | D | Em | F#dim |
| D-Dur | D | Em | F#m | G | A | Bm | C#dim |
| A-Dur | A | Bm | C#m | D | E | F#m | G#dim |
| E-Dur | E | F#m | G#m | A | B | C#m | D#dim |
| F-Dur | F | Gm | Am | Bb | C | Dm | Edim |
Auf der Gitarre sind G-Dur und D-Dur am bequemsten. In G sind I, IV, V und vi (G, C, D, Em) alle offene Akkorde, in D braucht nur die vi (Bm) einen Barré. Sind dir offene Akkorde noch neu, fang mit den 8 Gitarrengriffen für Anfänger an.
Akkordfolgen mit dem Quintenzirkel schreiben
Der Zirkel ist auch eine Karte der Bewegungen, die Akkorde mögen.
Nachbarn klingen natürlich
Benachbarte Akkorde teilen Töne und gehen ohne Bruch ineinander über. I, IV und V sind Nachbarn, deshalb trägt I-IV-V (G-C-D in G-Dur) so viel Folk und Rock. Bleibst du im Fenster aus drei Tonarten, bleibst du leitereigen.
Gegen den Uhrzeigersinn ist die stärkste Bewegung
Ein Grundton, der eine Quinte fällt (ein Schritt gegen den Uhrzeigersinn), ist die stärkste Auflösung der tonalen Musik: V nach I, G nach C. Verkettest du mehrere, entsteht die klassische Quintfallsequenz:
- vi-ii-V-I: Am-Dm-G-C in C-Dur, Em-Am-D-G in G-Dur. Jeder Akkord geht einen Schritt zurück.
- ii-V-I: Dm-G-C, das Rückgrat des Jazz und vieler Pop-Bridges.
Wann immer ein Teil wie ein "Nach-Hause-Kommen" klingen soll, geh gegen den Uhrzeigersinn auf die I zu. Solche Wendungen beschreibst du am einfachsten mit der Stufenanalyse in römischen Zahlen: I, IV und V haben in jeder Tonart dieselbe Funktion.
Sanft die Tonart wechseln
Benachbarte Tonarten unterscheiden sich nur um ein Vorzeichen. G-Dur und D-Dur teilen sechs von sieben Tönen, deshalb klingt eine Modulation von G nach D (oder von C nach G) natürlich, ein Sprung von C nach Fis (gegenüberliegende Seiten) dagegen abrupt. Du willst den letzten Refrain anheben? Geh einen Schritt im Uhrzeigersinn.
Transponieren mit dem Quintenzirkel (und dem Kapodaster)
Zum Transponieren drehst du. Zähl, wie viele Schritte im Uhrzeigersinn die neue Tonart entfernt ist, und verschieb jeden Akkord um genauso viele Schritte, Dur-Akkorde auf dem Außenring, Moll-Akkorde auf dem Innenring.
Von G nach A sind es zwei Schritte im Uhrzeigersinn (G, D, A). Also:
| In G | Zwei Schritte im Uhrzeigersinn | In A |
|---|---|---|
| G | G, D, A | A |
| D | D, A, E | E |
| Em | Em, Bm, F#m | F#m |
| C | C, G, D | D |
G-D-Em-C wird zu A-E-F#m-D. Ist dir F#m zu schwer, behalte die leichten G-Formen und setz einen Kapodaster in den 2. Bund: Er hebt alles um zwei Halbtöne an, von G nach A. Das Songbook im Workshop transponiert ein ganzes Akkordblatt mit einem Klick, aber wenn du die Drehung kennst, schaffst du es auch spontan.
Zwischendominanten erkennen
Eine Zwischendominante ist die Dominante eines anderen Akkords als der I. Sie liegt einen Schritt im Uhrzeigersinn neben ihrem Ziel, wird als Dur-Akkord gespielt, meist als Dominantseptakkord. Sie leiht sich einen tonartfremden Ton und zieht kräftig zu ihrem Ziel.
In C-Dur:
| Ziel | Ein Schritt im Uhrzeigersinn | Zwischendominante | Offener Griff |
|---|---|---|---|
| Dm (ii) | A | A7 (V von ii) | x02020 |
| Em (iii) | B | B7 (V von iii) | x21202 |
| F (IV) | C | C7 (V von IV) | x32310 |
| G (V) | D | D7 (V von V) | xx0212 |
| Am (vi) | E | E7 (V von vi) | 020100 |
So erkennst du eine im Song: ein Dur- oder Septakkord, der nicht zur Tonart gehört, gefolgt von einem Akkord einen Schritt gegen den Uhrzeigersinn. In C-A7-Dm-G7-C enthält A7 ein Cis, das es in C-Dur nicht gibt, und löst sich nach Dm auf: V von ii. In C-E7-Am zieht E7 (mit Gis) nach Am.
Probier es aus: Spiel in G-Dur G-E7-Am-D7-G. E7 ist V von Am, D7 ist V von G. Dann C-C7-F: Das B in C7 macht aus C eine Tür nach F. Das Tool für Akkordsubstitutionen (Premium oder Einzelmodul) zeigt dir die Zwischendominanten jeder Akkordfolge mit spielbaren Griffen.
Entdecke den Quintenzirkel interaktiv
Den Zirkel auf Papier zu lesen ist ein guter Anfang, ihn zu drehen ist besser. Der interaktive Quintenzirkel zeigt dir bei jedem Klick Vorzeichen, Paralleltonart, leitereigene Akkorde und Nachbarn jeder Tonart, kostenlos mit einem GuitarHarmony-Konto. Wenn du deine eigenen Songs schreiben willst, stöbere in den Akkordfolgen jedes Stils und transponiere sie rund um den Zirkel.
Häufige Fragen
Wofür braucht man den Quintenzirkel auf der Gitarre?
Er zeigt, welche Akkorde zu einer Tonart gehören, die Vorzeichen jeder Tonart, die parallele Molltonart jeder Durtonart und wie man transponiert. Auf der Gitarre nutzt du ihn vor allem, um die Akkorde I, IV, V und vi eines Songs zu finden und in eine Tonart zu verschieben, die zu deiner Stimme oder deinem Kapo passt.
Wie lerne ich den Quintenzirkel auswendig?
Lerne die Reihenfolge im Uhrzeigersinn C, G, D, A, E, H, Fis und gegen den Uhrzeigersinn C, F, B, Es, As, Des, Ges. Auf dem Griffbrett spielst du Grundtöne im gleichen Bund über die Saiten: eine Saite Richtung Bass ist ein Schritt im Uhrzeigersinn.
Wie finde ich die Paralleltonart einer Durtonart?
Geh drei Bünde (eine kleine Terz) unter den Dur-Grundton oder nimm den 6. Ton der Durtonleiter. Die Paralleltonart von C-Dur ist a-Moll, die von G-Dur e-Moll, die von D-Dur h-Moll.
Wie finde ich die Akkorde einer Tonart mit dem Quintenzirkel?
Setz die Tonart nach oben. Ihre beiden äußeren Nachbarn sind IV und V, die drei inneren Akkorde darunter sind ii, vi und iii, und der innere Akkord direkt im Uhrzeigersinn nach iii, vermindert gespielt, ist vii°.
Warum heißt er Quintenzirkel?
Weil jede Tonart eine reine Quinte über der vorherigen liegt und du nach zwölf Quinten wieder am Ausgangspunkt ankommst.
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