Gitarre und Technik
Fingerpicking
Fingerpicking bedeutet, die Gitarrensaiten mit den Fingern zu zupfen: Der Daumen spielt die Basssaiten, Zeige-, Mittel- und Ringfinger die hohen Saiten.
Was ist Fingerpicking?
Beim Fingerpicking hat jeder Finger der Anschlagshand eine Aufgabe, bezeichnet mit den Buchstaben aus der klassischen Tradition:
- p (Daumen): Basssaiten 6, 5 und 4;
- i (Zeigefinger): 3. Saite;
- m (Mittelfinger): 2. Saite;
- a (Ringfinger): 1. Saite.
Diese Aufteilung "ein Finger pro Saite" ist der Ausgangspunkt. Der Daumen hält Rhythmus und Bass, die Finger spielen Harmonie und Melodie, und so deckt eine einzige Gitarre Bass, Begleitung und Melodie gleichzeitig ab.
Wie fängst du mit Fingerpicking an: das Muster p-i-m-a
Greif Am (x 0 2 2 1 0) und spiel ein Arpeggio:
- p: leere 5. Saite (A);
- i: 3. Saite, 2. Bund (A);
- m: 2. Saite, 1. Bund (C);
- a: leere 1. Saite (E).
Dann zurück mit m und i: p, i, m, a, m, i, sechs Achtel, also ein Takt im 3/4. Spiel Am, C, G und Em nacheinander bei 60 BPM. Der Daumen wechselt zum Basston jedes offenen Akkords: 5. Saite im 3. Bund für C, 6. Saite im 3. Bund für G, leere 6. Saite für Em.
Travis Picking: der Wechselbass
Travis Picking, benannt nach Merle Travis, beruht auf einem Daumen, der jede Viertel spielt und dabei zwischen zwei Basssaiten wechselt, während die Finger Töne zwischen die Schläge setzen. Auf C (x 3 2 0 1 0):
| Zählzeit | 1 | und | 2 | und | 3 | und | 4 | und |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Daumen | 5. S. | 4. S. | 6. S. Bund 3 | 4. S. | ||||
| Finger | i (3. S.) | m (2. S.) | i (3. S.) | m (2. S.) |
Für den Bass auf der 6. Saite springt der Ringfinger vom 3. Bund der 5. Saite in den 3. Bund der 6. Übe zuerst eine Minute nur den Daumen: Er muss automatisch laufen, bevor die Finger dazukommen.
Warum klingt Fingerpicking in offenen Stimmungen so gut?
In einer offenen Stimmung oder in DADGAD bilden die tiefen Saiten einen Bordun: Dein Daumen kann die leere 6. und 4. Saite immer wieder anschlagen, während die Finger auf den hohen Saiten die Melodie spielen. In Open D zum Beispiel wechselt der Daumen zwischen den beiden tiefen D-Saiten, und du greifst nur die Melodie.
Muster werden in Tabulatur notiert, mit dem Fingerbuchstaben über oder unter jedem Ton. Für deine eigenen Songs notierst du das Muster neben den Akkorden im Songbook.
Typische Fehler beim Fingerpicking
- Der Daumen folgt den Fingern: Er muss gleichmäßig bleiben wie ein Metronom. Bringen ihn die Finger aus dem Takt, spiel langsamer.
- Saiten nach außen ziehen: Zupf Richtung Handfläche, sonst schlägt die Saite gegen die Bünde.
- Töne abwürgen: Lass den ganzen Akkord klingen, das Ausklingen gehört zum Sound.
- Auf die Zupfhand schauen: Lerne, die Saiten zu fühlen, und behalte die Greifhand im Blick.
Das Wichtigste in Kürze
- p Daumen (Saiten 6 bis 4), i 3. Saite, m 2. Saite, a 1. Saite.
- Erstes Muster: p-i-m-a-m-i über Am, C, G, Em.
- Travis Picking: Wechselbass in Vierteln, Finger auf den Offbeats.
- Ein gleichmäßiger Daumen kommt vor allem anderen.
Häufige Fragen
Braucht man Fingernägel für Fingerpicking?
Nein, das ist eine Klangfrage. Mit der Fingerkuppe klingt es weich und rund, mit etwas längeren Nägeln heller und lauter. Viele Folk-Gitarristen spielen mit den Kuppen, andere nutzen ein Daumenpick für einen kräftigeren Bass.
Wie lange dauert es, Travis Picking zu lernen?
Rechne mit zwei bis vier Wochen täglichem Üben (10 bis 15 Minuten), bis der Daumen von allein wechselt, ohne dass du nachdenkst. Danach sitzt jedes neue Fingermuster meist nach wenigen Tagen.
Kann man auf der E-Gitarre fingerpicken?
Ja. Dünnere Saiten brauchen weniger Kraft, und viele Country- und Rockgitarristen spielen mit den Fingern oder per Hybrid Picking (Plektrum plus Mittel- und Ringfinger). Dieselben Muster funktionieren auf jeder Gitarre.
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