Harmonik
Varianttonart (Moll)
Die Varianttonart (gleichnamiges Moll) einer Durtonart hat denselben Grundton, aber andere Töne: c-Moll ist die Varianttonart von C-Dur.
Was ist die Varianttonart?
Varianttonarten haben denselben Grundton: C-Dur und c-Moll, G-Dur und g-Moll. Der Grundton bleibt, die Töne ändern sich. Das ist das Gegenteil der Mollparallele, die die Töne behält und den Grundton wechselt. Vorsicht beim Übersetzen: Was Englisch parallel minor heißt, ist im Deutschen die Variante, nicht die Parallele.
C-Dur hat keine Vorzeichen, c-Moll drei (B, Es, As). Vergleich mit der natürlichen Molltonleiter:
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| C-Dur | C | D | E | F | G | A | H |
| c-Moll | C | D | Es | F | G | As | B |
Drei Stufen sinken: Terz, Sexte und Septime.
Auf der Gitarre zur Varianttonart wechseln
Auf dem Griffbrett ist der Wechsel einfach: Grundton behalten, Stufen 3, 6 und 7 einen Bund tiefer.
- Akkord: G (320003) wird zu Gm (355333 als Barré). In der E-Barréform im 3. Bund sinkt nur die Terz (H, 3. Saite 4. Bund) zum B (3. Bund).
- Tonleiter: G-Dur im 3. Bund (G A H C D E Fis) wird zu g-Moll (G A B C D Es F), indem du jedes H, E und Fis einen Bund tiefer greifst.
Im Quintenzirkel liegen G-Dur (1 Kreuz) und g-Moll (2 Bs) drei Schritte auseinander: Der Wechsel zur Variante bringt immer drei Bs dazu oder nimmt drei Kreuze weg.
Akkorde aus der Varianttonart leihen
Meistens wechselt man gar nicht die Tonart, sondern leiht sich einen Akkord aus dem gleichnamigen Moll. Das ist Modal Interchange. In G-Dur:
| Geliehene Stufe | Akkord | Griff |
|---|---|---|
| iv | Cm | x35543 |
| bVI | Eb | x68886 |
| bVII | F | 133211 |
| bIII | Bb | x13331 |
Zwei Wendungen zum sofort Ausprobieren:
- G, C, Cm, G: Die Moll-iv klingt bittersüß, ein Balladen-Klassiker.
- G, Eb, F, G: bVI, bVII, I, die heroische Kadenz von Rockhymnen und Videospielmusik.
Die Varianttonart in Songs
- Strophe in Moll, Refrain in Dur auf demselben Grundton: In A spielst du Am, F, G in der Strophe und A, D, E im Refrain. Der Kontrast entsteht allein durch den Wechsel des Tongeschlechts.
- Ein Mollstück, das auf dem Durakkord endet (die picardische Terz): Am, Dm, E und dann A statt Am.
Um diese Farben zu erkunden, zeigt dir das Tool für Akkordsubstitutionen die geliehenen Akkorde jeder Tonart mit spielbaren Griffen.
Das Wichtigste in Kürze
- Varianttonart = gleicher Grundton, andere Tonleiter (C-Dur, c-Moll).
- Stufen 3, 6 und 7 sinken um einen Halbton.
- Im Quintenzirkel: drei Bs mehr (C-Dur: keine, c-Moll: 3 Bs).
- Hauptanwendung: iv, bVI, bVII, bIII in einem Dursong leihen.
Häufige Fragen
Was ist die Varianttonart von D-Dur?
d-Moll. D-Dur hat zwei Kreuze (Fis, Cis), d-Moll ein B. Es ändern sich Fis zu F, H zu B und Cis zu C.
Was ist der Unterschied zwischen Variante und Parallele?
Die Variante behält den Grundton (C-Dur und c-Moll), die Parallele behält Töne und Vorzeichen (C-Dur und a-Moll). Die Parallele verschiebt das Zentrum, die Variante ändert die Farbe.
Warum klingt ein Fm-Akkord in C-Dur so gut?
Weil Fm die iv von c-Moll ist, der Varianttonart. Sein As rutscht einen Halbton zum G des C-Akkords, und diese winzige Bewegung erzeugt eine ausdrucksstarke, dunklere Auflösung als F nach C.
Verwandte Begriffe
- Paralleltonart (Moll)
- Modale Mischung (Modal Interchange)
- Natürliche Moll-Tonleiter
- Tonart
- Modi (Kirchentonarten)
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