Akkorde
Shell-Voicing
Ein Shell-Voicing reduziert einen Septakkord auf drei Töne: Grundton, Terz und Septime. So spielst du Jazzakkorde auf der Gitarre am einfachsten und klarsten.
Was ist ein Shell-Voicing?
Ein Septakkord hat vier Töne: 1, 3, 5, 7. Die Quinte trägt kaum etwas zu seiner Identität bei. Das Shell-Voicing (die »Schale«) lässt sie weg und behält Grundton, Terz und Septime.
Die Terz entscheidet über Dur oder Moll, die Septime über maj7, 7 oder m7. Diese beiden Töne sind die Guide Tones des Akkords, seine charakteristischen Leittöne. Ergebnis: drei Töne, drei Finger und ein klarer Klang, der Platz lässt für Gesang, Bass und Solo. So klingt die Rhythmusgitarre von Freddie Green im Count Basie Orchestra.
Die Griffe, die du kennen solltest
Pro Grundtonsaite gibt es zwei Anordnungen: 1-7-3 (Septime in der Mitte) und 1-3-7 (Terz in der Mitte). Akkordsymbole international, B entspricht dem deutschen H.
| Akkord | 1-7-3 | 1-3-7 |
|---|---|---|
| Gmaj7 | 3x44xx | 324xxx |
| G7 | 3x34xx | 323xxx |
| Gm7 | 3x33xx | 313xxx |
| Cmaj7 | x3x45x | x324xx |
| C7 | x3x35x | x323xx |
| Cm7 | x3x34x | x313xx |
Bei 3x34xx (G7): G auf der tiefen E-Saite im 3. Bund, F auf der D-Saite im 3. Bund, H auf der G-Saite im 4. Bund. Dämpfe die A-Saite mit der Unterseite des Fingers, der den Grundton greift. Eine Ausnahme: Beim m7♭5 prägt die verminderte Quinte den Klang, also nimmst du sie auf der H-Saite dazu, etwa Gm7♭5 = 3x332x (G F B Des).
Beispiel: eine II-V-I in C ohne Lagenwechsel
Wechsle die beiden Anordnungen ab, damit sich die Leittöne in kleinen Schritten bewegen:
- Dm7: x535xx (D F C)
- G7: 3x34xx (G F H)
- Cmaj7: x324xx (C E H)
Auf D- und G-Saite bleibt F von Dm7 zu G7 liegen, während C einen Halbton zu H rutscht; dann fällt F zu E und H bleibt. Abgesehen vom Bass bewegt sich bei jedem Wechsel nur ein Ton. Das ist der Kern einer gut gespielten II-V-I. Spiel danach nur D- und G-Saite (xx35xx, xx34xx, xx24xx): Du hörst die Akkordfolge noch immer, ganz ohne Grundtöne.
Wann ein Shell statt eines vollen Akkords?
- In der Big Band oder mit Pianist: weniger Töne, weniger Zusammenstöße.
- Beim Lesen eines Jazz-Leadsheets: Mit sechs Griffen begleitest du fast jeden Standard.
- Als Basis für Erweiterungen: Leg eine None oder Tredezime auf die H-Saite, und aus dem Shell wird ein erweiterter Akkord.
- Zum Improvisieren: Shell-Töne sind ideale Zieltöne für deine Linien. Der Solo-Baukasten zeigt diese Zieltöne für jeden Akkord einer Folge.
Für vier Töne auf benachbarten Saiten geht es danach mit dem Drop-2-Voicing weiter.
Das Wichtigste in Kürze
- Shell = 1, 3, 7: Die Quinte fällt weg.
- Zwei Anordnungen, 1-7-3 und 1-3-7, mit Grundton auf tiefer E- oder A-Saite.
- Im Wechsel ergeben sie eine II-V-I, in der sich über dem Bass jeweils nur ein Ton bewegt.
- Shells sind der ideale Voicing-Typ für den Einstieg ins Jazz-Comping.
Häufige Fragen
Warum lässt man die Quinte weg und nicht die Terz?
Weil die reine Quinte in Dur-, Moll- und Dominantakkorden gleich ist: Sie unterscheidet nichts. Terz und Septime bestimmen dagegen das Akkordgeschlecht. Ohne sie weiß das Ohr nicht mehr, ob Cmaj7, C7 oder Cm7 gemeint ist.
Klingen Shell-Voicings auch ohne Bassist gut?
Ja, denn sie behalten den Grundton im Bass. Grundtonlose Versionen (nur Terz und Septime) brauchen dagegen einen Bassisten oder Pianisten, der den Bass übernimmt.
Was ist der Unterschied zwischen Shell-Voicing und Powerchord?
Ein Powerchord hat Grundton und Quinte, aber keine Terz: Er ist weder Dur noch Moll. Ein Shell-Voicing macht es umgekehrt, es behält Terz und Septime und opfert die Quinte, und ist dadurch harmonisch sehr eindeutig.
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