Tonleitern und Modi
Lokrisch
Lokrisch ist der siebte Modus der Durtonleiter: 1 b2 b3 4 b5 b6 b7. Die verminderte Quinte macht ihn zum instabilen Modus der m7b5-Akkorde.
Was ist Lokrisch?
Lokrisch ist der siebte und letzte der Modi der Durtonleiter. Spiel die Töne von C-Dur ab H (H C D E F G A) und du hast H-Lokrisch.
Die Formel lautet 1 b2 b3 4 b5 b6 b7. Es ist der einzige Modus der Durtonleiter ohne reine Quinte: Grundton und b5 bilden einen Tritonus. Der Tonika-Akkord ist deshalb nicht stabil, sondern ein verminderter Akkord (H D F) oder mit Septime ein Bm7b5. Lokrisch ähnelt Phrygisch (gleiche b2), nur mit zusätzlich erniedrigter Quinte.
Der lokrische Akkord: m7b5
Lokrisch ist die natürliche Tonleiter des halbverminderten Akkords, geschrieben m7b5 oder ø. Bm7b5 (im Deutschen oft Hm7b5) enthält H D F A, also 1 b3 b5 b7.
Gängiger Griff mit Grundton auf der 5. Saite: x2323x (H im 2. Bund der A-Saite, F im 3. auf D, A im 2. auf G, D im 3. auf H). Mit Grundton auf der 6. Saite: 7x776x (H, A, D, F).
Der Akkord taucht an zwei Stellen auf: als vii in Dur (Bm7b5 in C-Dur) und noch häufiger als ii in Moll (Bm7b5 in a-Moll).
Wo spielt man Lokrisch: die Moll-II-V-I
In a-Moll lautet die II-V-I-Kadenz Bm7b5, E7, Am. Über Bm7b5 spielst du H-Lokrisch (die Töne von C-Dur mit H als Zentrum), über E7 wechselst du zu a-Moll harmonisch (mit Gis) und löst auf Am auf.
Auf dem Griffbrett rund um den 7. Bund: Grundton H im 7. Bund der 6. Saite, b2 (C) im 8. Bund derselben Saite, b5 (F) im 8. Bund der 5. Saite. Da H-Lokrisch und C-Dur dieselben Töne haben, kannst du deinen C-Dur-Fingersatz nutzen und über dem Akkord H, D, F und A ansteuern. Im Jazz ersetzt man oft C durch Cis (Lokrisch mit großer None), um die b2 zu entschärfen.
Übung: ein lokrisches Riff in E
E-Lokrisch besteht aus E F G A B C D (B ist hier das deutsche B, also Bb). Metal liebt den Modus wegen des Tritonus E-B.
- Spiel auf der tiefen E-Saite in Achteln: 0, 0, 1, 0, 0, 6, 0, 1 (E E F E E B E F).
- Setz Powerchords F5 (1. Bund) und Bb5 (6. Bund) als Akzente.
- Behalte die leere Saite als Orgelpunkt: Ein voller E5 brächte ein H dazu, das nicht im Modus liegt.
Um den ganzen Modus zu sehen, zeig E- oder H-Lokrisch im interaktiven Tonleiter-Tool in der Intervallansicht an: b2 und b5 fallen sofort auf.
Das Wichtigste in Kürze
- Lokrisch = 7. Modus, Formel 1 b2 b3 4 b5 b6 b7.
- H-Lokrisch hat die Töne von C-Dur.
- Typischer Akkord: m7b5 (Bm7b5 = x2323x).
- Haupteinsatz: die ii einer Moll-Kadenz (Bm7b5, E7, Am) und Metal-Riffs über einem Orgelpunkt.
Häufige Fragen
Warum wird Lokrisch so selten verwendet?
Weil sein Tonika-Akkord vermindert ist: Ohne reine Quinte hört das Ohr keinen Ruhepunkt. Man nutzt ihn daher vor allem über einem durchgehenden m7b5-Akkord, selten als Haupttonart eines Songs.
Über welchen Akkord spielt man Lokrisch?
Über einen m7b5-Akkord (halbvermindert), etwa Bm7b5 in einer II-V-I in a-Moll oder als siebte Stufe von C-Dur. Über einem einfachen Mollakkord solltest du ihn meiden: Die b5 reibt sich mit der reinen Quinte.
Was ist der Unterschied zwischen Lokrisch und Phrygisch?
Ein Ton: die Quinte. Phrygisch hat eine reine Quinte (1 b2 b3 4 5 b6 b7), Lokrisch eine verminderte. Phrygisch taugt als Grundtonart, Lokrisch kaum.
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