Tonleitern und Modi
Lydisch
Lydisch ist der vierte Modus der Durtonleiter: eine Durtonleiter mit übermäßiger Quarte (#4), die hell, schwebend und nie ganz aufgelöst klingt.
Was ist der lydische Modus?
Lydisch ist der vierte der sieben Modi der Durtonleiter. Spiel die C-Dur-Tonleiter ab F (F G A H C D E) und du hast F-Lydisch: dieselben Töne wie C-Dur, aber F ist jetzt das Zentrum.
Die Intervallformel lautet 1 2 3 #4 5 6 7. Im Vergleich zu Ionisch, also der normalen Durtonleiter, ändert sich nur ein Ton: Die Quarte wird um einen Halbton erhöht. Diese #4 bildet mit dem Grundton einen Tritonus und nimmt der Tonleiter den Zug der reinen Quarte zur Terz. Das Ergebnis ist ein Dur, das nie ganz landet, beliebt in Filmmusik und instrumentalem Rock.
Wie spielt man Lydisch auf dem Griffbrett?
Nimm A-Lydisch: A H Cis Dis E Fis Gis. Das sind die Töne von E-Dur, mit A als Zentrum. Leg den Grundton auf die 6. Saite im 5. Bund und such den charakteristischen Ton Dis:
- 5. Saite, 6. Bund
- 3. Saite (G), 8. Bund
- 2. Saite (H), 4. Bund
Der schnellste Weg: Nimm das A-Dur-Griffbild, das du schon kennst, und erhöhe jedes D um einen Bund. Du lernst keine neue Form, du änderst eine einzige Stufe. Das funktioniert mit jedem Modus in jeder Tonart.
Welche Akkorde klingen lydisch?
Der typische Akkord ist maj7#11: Amaj7#11 enthält A Cis E Gis plus Dis als Erweiterung. Die Basis ist also ein großer Septakkord, die #11 liefert die Farbe.
Am schnellsten hörst du Lydisch mit einem I-II-Vamp: zwei Durakkorde im Ganztonabstand über demselben Basston.
| Akkord | Griff | Töne |
|---|---|---|
| A | x02220 | A E A Cis E |
| B/A | x04442 | A Fis H Dis Fis |
Die leere A-Saite bleibt liegen, während der H-Dur-Dreiklang (Akkordsymbol B) das Dis hörbar macht. Diesen Klang kennst du aus TV-Titelmusik und verträumten Gitarreninstrumentals.
Übung: Improvisieren in A-Lydisch
Loop A und B/A, je zwei Takte, bei 80 BPM.
- Spiel zwei Durchgänge lang nur A, Cis und E (das A-Arpeggio).
- Nimm Dis dazu und lass es über B/A klingen.
- Beende jede Phrase auf Cis oder E, nie auf Dis.
Zur Kontrolle zeigst du A-Lydisch im interaktiven Tonleiter-Tool in der Intervallansicht an: Die #4 springt in jeder Oktave ins Auge. Danach lohnt sich ein Blick auf Melodisch Moll: Dessen vierter Modus, Lydisch Dominant, ist Lydisch mit kleiner Septime.
Typische Fehler mit Lydisch
- E-Dur über einen A-Akkord dudeln, ohne die #4 anzusteuern: Das klingt nur nach E-Dur, das nicht auflöst.
- Phrasen auf der #4 beenden: Sie färbt, sie schließt nicht ab.
- Lydisch über A7 spielen: Die große Septime Gis reibt sich mit dem G im Akkord. Dort passt Lydisch Dominant oder Mixolydisch.
Das Wichtigste in Kürze
- Lydisch = Durtonleiter mit übermäßiger Quarte (1 2 3 #4 5 6 7).
- Es ist der 4. Modus: F-Lydisch nutzt die Töne von C-Dur, A-Lydisch die von E-Dur.
- Typischer Akkord: maj7#11. Typische Folge: I-II über einem Basston (A, B/A).
- Die #4 für Farbe ansteuern, auf 1, 3 oder 5 landen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Lydisch und Dur?
Nur die vierte Stufe. Dur hat eine reine Quarte (F in C-Dur), Lydisch eine übermäßige Quarte (Fis in C-Lydisch). Dieser eine Ton nimmt den Auflösungsdrang und macht den Klang luftiger.
Über welchen Akkord spielt man Lydisch?
Über einen länger liegenden Dur- oder maj7-Akkord, besonders wenn danach ein Durakkord einen Ganzton höher folgt. In einer Durtonart ist die IV. Stufe lydisch: In C-Dur passt über Fmaj7 F-Lydisch mit den Tönen von C-Dur.
Ist Lydisch auf der Gitarre schwer zu lernen?
Nicht, wenn du die Durtonleiter schon kannst. Behalte deinen gewohnten Fingersatz und erhöhe die Quarte um einen Bund. Lern eine Lage nach der anderen und verbinde sie dann über das Griffbrett.
Verwandte Begriffe
In der Werkstatt üben
Von der Theorie aufs Griffbrett
Öffne die Werkstatt-Tools und sieh dir den Begriff auf dem ganzen Griffbrett an. Kostenloses Konto, ohne Karte.